Sorge dich nicht - sei kreativ!
Wieso Kreativität die Lösung für (ein paar) Probleme ist.
Neulich habe ich irgendwo* diesen Satz gehört oder gelesen:
“Worry is a misuse of creativity.”
“Sorgen ist eine Zweckentfremdung der Kreativität.”
Ich habe mir den Satz sofort in eines meiner 3.754 Notizbücher geschrieben, zum Glück, denn so habe ich ihn vor ein paar Tagen wiederentdeckt und mir gedacht: Das stimmt absolut.
Wir alle sorgen uns. Derzeit sogar ziemlich viel, oder? Viele sorgen sich um die Weltlage, die Klimalage, die Wirtschaftslage, eben die Zukunft; außerdem um Probleme rund um ihren Job, ihre Familie, ihre Kinder, ihre Partnerschaft, ihre Freunde; vielleicht auch (traurigerweise) um gesundheitliche Themen; um finanzielle Dinge; oder um den Kratzer am Auto, das Laub auf dem Gehweg oder den falsch getrennten Müll, wasweißich.
Ich will auf keinen Fall sagen, dass diese Sorgen unbegründet sind. Vermutlich haben viele von ihnen einen triftigen Ursprungsgrund. Was aber sicherlich nicht hilfreich ist, ist, den ganzen Tag und vielleicht auch noch die halbe Nacht darüber nachzugrübeln, was zu dem Thema schon passiert ist, was derzeit dazu passiert, oder (und dieser Bereich nimmt vermutlich den allergrößten Teil des Sorgens ein): Was eventuell noch passieren könnte.
Diese Gedanken landen wiederum eher selten bei einem Best-Case-Szenario, sondern meistens in einer Art Worst-Case-Szenario. (Obwohl das Best-Case-Szenario genauso wahrscheinlich ist wie das Worst-Case-Szenario. 50:50-Chance. Mindestens. Auf diesem Gebiet bin ich Expertin, weil ich an der Uni eine Statistik-Prüfung ablegen musste.)
Und schon hat man den Salat. Denn dieses in die etwaige Zukunft gerichtete Sorgenmachen ist absoluter Schmarrn. Vollkommener Unsinn! Eine unendliche Vergeudung von Gehirnkapazität.
Was aber leider nicht bedeutet, dass ich es nicht auch mache.
Ja, auch ich sorge mich. Wobei ich der Typ Sorgen-machen-die-sich-dann-in-Ärger-umwandeln bin. Kennt das jemand von euch? Mir fällt irgendein Thema ein, über das ich mir Sorgen machen könnte, und schon bin ich (gedanklich!) mitten drin in einer Diskussion. Also mit anderen Menschen, nicht mit mir selbst, und diese Menschen stehen nicht in Wirklichkeit vor mir, sondern sie diskutieren sozusagen nur in meiner Fantasie, vor meinem geistigen Auge, mit mir.
Ich diskutiere also mit Verwandten, Bekannten, Fremden; mit Politikern, Künstlern, Prominenten; über Wichtiges, Unwichtiges, Albernes. Ich erlebe Diskussionen, die niemals stattgefunden haben, von denen ich auch gar nicht will, dass sie in Wirklichkeit stattfinden werden, und von denen es auch sehr unwahrscheinlich ist, dass sie jemals stattfinden werden. Siehe etwa Politiker und Prominente. (Leider, muss man dazu sagen. Ich weiß nämlich ganz genau, was ich zu Trump und Putin sagen werde, wenn sie demnächst mal treffen würde.)
Nun denn. Bleiben wir beim Sorgen/Ärgern. Zwei Fragen sind hierzu wichtig:
Warum tue ich das?
Wie kann ich es vielleicht verhindern?
Zu Punkt 1. Die Frage, warum ich das tue, ist nicht ganz einfach zu beantworten, aber nach einer kurzen Online-Recherche (ich habe leider keine psychologischen Fachbücher zu dem Thema zu Hause im Regal stehen) würde ich sagen, es ist eine Art von “Rumination”, also schlicht und einfach gesagt: eine Grübelei. (Leider ist die Online-Recherche dann sogleich in eine Art katastrophaler Diagnose ausgeartet, dass ich wohl traumatische Situationen erlebt haben muss oder sonst irgendetwas Furchtbares. Ist wohl so ähnlich, wie wenn man Bauchweh googelt und dann beim Darmkrebs landet. Ich habe die Online-Recherche also schnell wieder eingestellt.)
In meinem Fall, würde ich sagen, ist die Grübelei noch relativ harmlos (puh), denn sie hält mich weder davon ab, ein normales, vernünftiges, sozial intaktes Leben zu führen, noch davon, zu schlafen. (Beides scheinen wichtige Kriterien für Harmlosigkeit oder Schwere zu sein.) Bei mir ist es also wohl eine eher leichte Ausprägung der Grübelei. Oder, an manchen Tagen, mittel. Immerhin weiß ich genau, wann sie mich befällt: Wenn ich Dinge tue, die mein Gehirn nicht genügend beschäftigen. Routinesachen. Also etwa Wäsche waschen, Geschirrspülmaschine einräumen, duschen, Zähne putzen, E-Mails beantworten, unwichtige Dinge googeln, Buchhaltung machen oder ähnliches.
Daraus folge ich messerscharf: Mein Gehirn grübelt, wenn es sonst nichts Besseres zu tun hat.
Aha!
Nun zu Punkt 2, der Frage, wie ich es verhindern kann. Die Antwort lautet (in meinem Fall): Benutze dein Gehirn! Kurzfristig hilft es schon, mein Gehirn auf eine Art und Weise zu nutzen, die es vollkommen ausfüllt. Also mich konzentrieren, etwa auf einen Auftrag, auf ein Projekt; oder aber auf ein Buch, einen Film, einen Podcast. Oder aber etwas lernen, was interessant ist, durch einen Onlinekurs etwa; oder Sport zu machen, der für mich wirklich anspruchsvoll ist; oder auf einem Instrument zu üben, das ich noch nicht beherrsche (was glücklicherweise auf alle Instrumente dieser Welt zutrifft). Das alles hilft also kurzfristig. In dieser Zeit, in der ich mein Gehirn dafür benutze, ist es zufrieden. Ausgelastet, quasi.
Langfristig aber hilft vor allem eines: kreativ zu werden. Und zwar so, dass ich mein Gehirn dabei wirklich benutze. In meinem Fall ist das das Schreiben. Das kreative Schreiben. (Wichtig!) Seit einigen Monaten schreibe ich an einem Roman, und jedes Mal, wenn ich daran sitze, denke ich an nichts anderes. Es stellt sich ein Flow ein, ich vergesse Raum und Zeit, ich denke nur an die Menschen und die Handlung in dem Roman. Dieses wunderbare Gefühl hält danach tatsächlich weiter an, ich stehe etwa in der Küche und schnippele Gemüse, überlege aber weiter, wie die eine Figur das wohl sieht und wie die andere Figur dahin kommen könnte… Mein Gehirn ist also weiterhin ausgelastet. Zufrieden. Und ich bin dadurch glücklich.
Insofern lautet die Schlussfolgerung:
Sorge dich nicht - sei kreativ.
(Womit also der Satz “Worry is a misuse of creativity” von hinten durch die Brust ins Auge bewiesen wurde.)
Disclaimer: Ich weiß nicht, ob das genauso für andere Menschen gilt. Vor allem nicht für das Schreiben. Andere Menschen sind vielleicht beim Malen glücklich, oder beim Musizieren, beim Nähen, beim Fotografieren, beim Basteln, Töpfern, Kochen oder wasauchimmer. Das Schöne daran aber ist: Ausprobieren schadet ja nicht. Denn der Tipp hat keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen. Auch wenn das Kreativwerden bei jemandem nicht gegen die Sorgen hilft, hat man danach zumindest ein Bild oder Lied oder Kleid oder Essen vor sich stehen. Ist doch auch wunderbar.
* Ich weiß leider wirklich nicht mehr, wo. Ich habe ihn gegoogelt, um hier den Erstentdecker des Satzes aufführen zu können, doch offenbar ist er nur eine Abwandlung von Walt Disneys Satz: “Worry is a waste of imagination.” Kommt aber im Endeffekt auf dasselbe hinaus. Also sagen wir, Disney hat’s erfunden.



In den Flow beim Schreiben zu kommen ist mit das beste Gefühl überhaupt. Schön zu sehen, dass Schreiben deine Tage bereichert 😃
Liebe Nina, du bist schon einen gehörigen Schritt weiter, mein Flow holpert immer noch - aber wenn ich im kreativen Fluss bin, ist kein Platz für krude Gedanken in meinem Hirn. Bin komplett bei dir! 😍Alles Liebe, Katia