Mußestunde No. 16

Wenn kreative Projekte jede Menge Ärger machen.

Ich muss gleich zu Beginn gestehen: Die letzten beiden Wochen hatte ich leider nicht viel Zeit, um mir über das kreative Leben Gedanken zu machen - da ich viel zu sehr von einem kreativen Projekt beschlagnahmt worden bin: von meinem Kalender.

Seit einigen Jahren schon zeichne ich jedes Jahr einen Kalender, lasse ihn drucken und verkaufe ihn auf Etsy. Und dieser Kalender - also diese Kalender - machen mir immer wieder Ärger. (Wer von Euch schon seit einigen Jahren meine Newsletter bekommt, erinnert sich vielleicht noch an den schrecklichen Kalendender-Vorfall. Wer von Euch noch nicht so lange dabei ist, dem verrate ich jetzt aber nicht, was für ein Rechtschreibfehler sich in jenen Kalender eingeschlichen hatte.)

So auch dieses Jahr.

Das Ganze läuft eigentlich immer gleich ab. Ende Januar denke ich mir: Okay, das war wieder mal viel zu viel Arbeit mit dem ganzen Kalender, dieses Jahr mache ich das nicht noch einmal. Ende Juli denke ich mir: Hach, wie schön, dass ich diese Jahr keinen Kalender mache, da komme ich dann im Herbst wenigstens nicht wieder in Stress. Im September denke ich mir: Ach, komm, vielleicht solltest Du doch einen machen? Hat doch immer Spaß gemacht… Also fange ich an, ihn zu zeichnen, ganz entspannt. Dann ist es Oktober, und siehe da: Ich entdecke plötzlich überall neue Jahreskalender! Ja, sie werden mir geradezu unter die Naase gerieben, auf Instagram, in Newslettern, im Buchladen, im Schreibwarengeschäft. Ich denke mir: Unglaublich, das ist doch viel zu früh - wie die Lebkuchen, die schon ab September in den Regalen stehen. Also mal ehrlich, niemand kauft vor November einen Kalender, oder? Und so zeichne ich ihn, ganz entspannt, den Oktober über fertig.

Dann ist es also November. Und plötzlich merke ich: Argh, jetzt muss ich ihn ja noch drucken lassen! Und dann muss ich ihn ja noch hübsch fotografieren! Und dann muss ich ihn ja noch in den Etsy-Shop stellen! Und ÜBERHAUPT, war das eigentlich immer schon so viel Arbeit, dieser Kalender?

Tja.

Dieses Jahr habe ich es mir dann auch noch doppelt und dreifach erschwert, weil ich mir während des Zeichen-Preozesses - irgendwann im Oktober, als ich dachte, ich habe ja noch ewig Zeit - plötzlich eingebildet habe: Dieses Mal muss er anders werden! Ganz anders. Ich hatte genug von den bunten Kalendern, die ich in den letzten Jahren gemalt hatte, und dazu eine Eingebung: schwarz-weiß, collagenhaft, echt. Also legte ich den bunten Kalender samt Grafik-Tablet, auf dem ich ihn gezeichnet hatte (und der schon fast fertig war! Ja, wie bescheuert, ich weiß) zur Seite, packte Papier, Tusche, Feder, Pinsel und Schere aus, und zeichnete, schrieb und schnitt, was das Zeug hielt.

Es hat wahnsinnig Spaß gemacht. (Immerhin.) Irgendwann war der Kalender fertig. Er lag vor mir, auf meinem Arbeitszimmer-Boden. Schwarz-Weiß. Eine Collage aus Papier. Er sah genau so aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Echt.

Und riesengroß.

Diese riesengroße, gelegte (nicht geklebt! Dann fängt das Papier immer an, zu wellen!) Collage musste nun also nur noch digitalisiert werden.

Tja.

Ich verschone Euch mit den Details. Nur so viel: Noch nie zuvor hatte ich SO viel Ärger wie mit diesem Kalender. Es war zum Verzweifeln. Und ich bin verzweifelt, inklusive mehrerer Nervenzusammenbrüche. Ohne die Hilfe der vier nettesten Menschen der Welt hätte ich dieses Drama niemals überlebt. (Danke nochmal! Ihr seid so großartig.)

Ihr merkt schon, ich neige zur Übertreibung. Natürlich hätte ich überlebt, auch wenn das Projekt gescheitert wäre, klar. Aber zumindest wäre dieser Kalender ohne die Hilfe der Vier nicht in den Druck gegangen.

Aber das ist er. Und er ist wieder gekommen, also gedruckt. Ich habe ihn ihn fotografiert, und seit gestern steht er auf Etsy, bereit zum Verkauf.

Was soll ich sagen: Im Endeffekt hat sich der ganze Ärger also doch gelohnt. (Das sag ich jetzt, mit der entspannten Sicht auf die Vergangenheit - noch vor einer Woche hätte ich gesagt: Was für ein Scheiß, das mach ich NIE wieder!) Nun sagt ihr vielelicht : Ach, das ist nunmal so, wenn man was Kreatives macht, da kommt immer die Verzweiflung dazwischen. Aber das Schlimme an dieser Kalender-Sache ist ja, dass das eigentliche Erschaffen des Kalenders, das Zeichnen, Schreiben, Schneiden, Legen, wirklich viel Spaß gemacht hat, und die Hürde “nur” in der Vervielfältigung lag. Das macht mich fertig - wenn technische Probleme alles kaputt machen. Aber auch das gehört wohl zum kreativen Leben dazu…

Egal. Ich bin nun mit dem Ergebnis wirklich zufrieden. (Gut, er sieht nicht exakt aus wie das Original. Aber so ist das eben mit Abbildern.)

Übrigens habe ich mich nach der ganzen Quälerei nochmal kurz gequält und - extra für Euch - einen Gutschein auf Etsy angefertigt. Denn Ihr seid meine treuen Leser und geht mit mir durch Dick und Dünn, also habt Ihr Anspruch auf eine Belohnung!

In diesem Fall sind das: 20 Prozent Rabatt auf einen meiner Kalender. (Ihr müsst nur hier auf diesen Link klicken, dann wird der Rabatt an der Kasse abgezogen. Er ist zwei Wochen gültig, also bis zum 26. November 2021.)


So, und nun zu wichtigeren Dingen. Nämlich zu einem GIF, das man hören kann. (Es ist anscheinend schon uralt, aber ich kannte es noch nicht.)

Also, kurz durchatmen, runterscrollen, zuschauen.

Uuuund: Hört Ihr was?

Anscheinend hören manche Menschen was, andere nicht. Ich jedenfalls “höre”, wie der Boden unter dem kleinen hüpfenden Strommasten erbebt. Das ist quasi nur Einbildung, aber so funktioniert das menschliche Gehirn eben: Es bastelt sich die Welt so zusammen, wie es sie für richtig hält.

Und wenn ein Strommasten Seilspringt, dann muss die Erde beben.

Ist doch ganz logisch.