Mußestunde No. 2

Brotjobs.


Heute geht es um: Brotjobs, Stopmotion - und Wikinger.


Vor Kurzem habe ich einen Podcast über Brotjobs angehört, also eine Podcast-Folge von "A Drink With a Friend" namens "The Sheer Beauty of the Craft".  Ich mag den Podcast nicht, ich bin da nur per Zufall reingestolpert, egal - jedenfalls erklären die beiden Sprecher in der Folge, dass es ihnen wahnsinnig wichtig ist, dass sie Jobs haben, in denen sie festangestellt sind, und so quasi "frei" schreiben können. Also: Ihr "Brotjob", von dem sie leben, der ihnen Sicherheit gibt, ist nicht das Schreiben. Denn wenn sie für das Schreiben bezahlt werden, lauge es sie aus.

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr so ganz genau, was sie gesagt haben, weil es schon fast zwei Wochen her ist, dass ich den Podcast angehört habe, aber ich weiß noch, dass ich erst ein bisschen verwundert war. Natürlich kann jeder sein Geld verdienen, wie er oder sie will, klar, aber ich finde es schade, dass "Vorbilder", also die beiden Podcaster, so sehr betonen, dass man seine Kreativität nicht mit Geldverdienen versauen oder "auslaugen" soll.

Dann habe ich mir gedacht : Naja, diese Einstellung ist eigentlich gar nicht so außergewöhnlich. Eigentlich ist sie sogar ziemlich oldschool, diese Idee: Erst mal was Gscheids lernen, dann kannst Du immer noch Künstlerin werden. ("Gescheids" ist Bayerisch und heißt: "Gescheites".) Und noch immer wird Leuten, die kreativ leben und arbeiten wollen, erklärt, dass sie das bitte in ihrer Freizeit machen sollen, höchstens noch als Nebenjob - aber dass sie sich ja nicht einbilden sollen, dass sie davon leben können! Denn sobald sie das tun, werden sie entweder sofort bettelarm oder sie machen sich die ganze Kreativität kaputt - und vorbei ist es mit dem schönen Leben, das sie sich gewagt haben auszumalen.


Nun: Ich sehe das nicht so.
Ich habe keinen von meinen "Talenten" abgelösten "Brotjob". Ich lebe davon, dass ich für das Schreiben bezahlt werde, als freie Journalistin und als freie Texterin. Natürlich ist nicht jeder Auftrag ein Ausbund an Kreativität - manchmal sind es auch eher schnöde Texte, die ich schreiben muss, um Geld zu verdienen. Aber oft macht es mir Spaß, und (fast) jedes Mal habe ich was davon. Mal lerne ich superinteressante Leute kennen (zum Beispiel habe ich diese Woche ein Interview mit dem Comiczeichner Ralf König geführt), mal erfahre ich superinteressante Dinge (zum Beispiel habe ich diese Woche ein Interview zum Thema Zeit geführt); mal lerne ich, Geduld zu haben, mal lerne ich, schnell zu reagieren; mal lerne ich, auch mal nein zu sagen, mal lerne ich, auch mal ja zu sagen (auch alles diese Woche passiert.) Das alles hilft mir quasi menschlich weiter. Aber auch für mein Schreiben ist es gut: Mal muss ich mich sehr kurz fasssen, mal muss ich etwas schwafeln, mal muss ich für 18-Jährige schreiben, mal für 70-Jährige, mal fürs Herz, mal für den Kopf.

Ich wüsste nicht, warum das alles meiner Kreativität schaden sollte.

Allerdings beachte ich dabei auch einige wichtige Regeln - die ich aus Erfahrung, nein, aus Fehlern in den vergangenen Jahren gelernt habe.

1.  Man muss sich viel Zeit nehmen für die Dinge, die man wirklich ehrlich saugern macht. Zum Beispiel: Dieser Newsletter - für den bekomme ich kein Geld, aber er macht mir so viel Spaß! Oder: Das neue Video für meine Website, dazu unten mehr. Oder: meine Artenkennerserie im Münchner Merkur, dafür bekomme ich nicht viel Geld, aber ich liebe sie.

2. Man darf sich nie Zeit nehmen für Dinge, die man wirklich ehrlich überhaupt nicht gern macht. Zum Beispiel: Aufträge von Leuten annehmen, die unmöglich/ekelhaft/unsympathisch/unzuverlässig sind. (Das mache ich nicht mehr. Und da verlasse ich mich einzig und allein auf mein Gefühl.) Oder Aufträge annehmen, die jetzt sofort auf der Stelle erledigt werden sollen. (Ich plane mir meine Zeit gut ein; so, dass es für mich passt - da brauche ich keine Panikmache wegen irgendeinem Auftrag.) Oder Aufträge annehmen, deren Thema einfach nicht zu mir passt. (Hm, da bin ich vielleicht noch nicht streng genug. Aber ich arbeite daran.) 

3. Man sollte stetig darauf hinarbeiten, dass man irgendwann einmal nur noch die Dinge macht, die man wirklich ehrlich saugern macht. Das wäre dann bei mir: Dieser Newslettter, mein Schreibmaschinenblog, ein paar Artikel zu meinen Lieblingsthemen, Zeichnen, endlich mal ein Buch schreiben... Und vielleicht ab und an Stopmotion-Videos drehen? (Siehe unten!) 
Und ja, mir ist klar, dass sich das noch nicht sonderlich realistisch anhört. Denn: Wo soll denn da das ganze Geld herkommen?

Aber wer weiß: Vielleicht klappt es ja trotzdem irgendwann.

Wir reden einfach in fünf Jahren nochmal darüber.


So, und nun zu:

+++EILMELDUNG+++EILMELDUNG+++EILMELDUNG+++EILMELDUNG+++

Ich habe ein Stopmotion-Video gedreht!
Das hat so viel Spaß gemacht. Und ich finde, es ist wirklich toll geworden.

Auf die Idee gekommen bin ich, weil ich auf Instagram immer wieder Stopmotion-Videos gesehen habe, etwa von Jana Kaminski oder Gergo Varga, und davon wirklich verzaubert war. Mir war natürlich klar, dass ich das nicht annähernd toll machen würde- aber man kann ja mal klein anfangen, oder?

Also habe ich mir überlegt, was gut zu mir passen würde und was gut zu meiner Website passen würde. Also: Was Retro-mäßiges, Kreatives, mit Schreibmaschine, Stiften, Pinseln. Alles klein und unperfekt, und schwarz-weiß, weil meine Website jetzt eher klar und gechillt ist.

Also habe ich das alles gezeichnet, dann ausgeschnitten, dann ein kleines Studio vorbereitet, und dann 408 Fotos geschossen. (Gut, mehr als 408 Fotos - beim ersten Versuch war die Belichtung falsch.) Also ich hab alles aufgebaut, ein Foto gemacht, bisschen was verändert, ein Foto gemacht, wieder was verändert, ein Foto gemacht, und so weiter. War ganz schon anstrengend! Man traut sich ja kaum, zu atmen, damit nichts verrutscht, und man fasst alles nur mit der Pinzette an.

Aber: Es hat geklappt!

Leider kann/darf ich das Video nicht in den Newsletter hochladen...
Aber ihr könnt es euch einfach auf meiner Website anschauen.
Nämlich hier: ninapraun.de


So, und zum Abschluss nun noch: zu den Wikingern!

Die spielen in der Serie "Beforeigners" mit. Die Serie ist gerade in der ARD-Mediathek zu sehen, und die kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen. Erstens ist es eine wirklich saucoole Idee: Menschen aus der Vergangenheit tauchen plötzlich einfach so in unserer Gegenwart auf und leben hier als "Zeitmigranten" weiter. Da die Serie in Norwegen spielt, tauchen natürlich auch Wikinger auf - und das ist das zweite Argument für die Serie: Denn eine von ihnen ist Alfhildr Enginsdottir, eine Wikingerin, die nun als Polizistin arbeitet.
Die ist so cool!
Natürlich wird in der Serie auf ganz viele aktuelle Themen angespielt, klar, und das ist alles genial gelöst. Am meisten Spaß macht es aber, zu sehen, was für eine Einstellung die Wikinger zur Arbeit haben. Alfhildr will eine gute Polizisten sein - aber sie ist einfach nicht so streng und diszipliniert wie ihre Kollegen. (Also wie wir). Irgendwie imponiert mir sowas: Wenn man eben so lebt und alles so macht, wie man gerade meint.

So, das war's wieder für heute!

Wie immer:  Wenn ihr Lob, Fragen, Kritik oder Anregungen habt, meldet euch!

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Also: Bis bald!