Mußestunde No. 3

Lampen und Pfeifen.

Heute geht es um: alles Mögliche.


Diese Woche habe ich Urlaub.
Ich verbringe ihn nicht auf Mallorca, sondern ganz brav zu Hause, klar. Leider hatte ich ihn mir aber Mallorca-ähnlich ausgemalt: über 20 Grad, sonnig (so wie letzte Woche), ich liege auf der Terrasse oder im Garten mit einem Cocktail in der Hand - und abends wird gegrillt. Die Wirklichkeit sah jedoch anders aus: Bei uns hier in Bayern wurde es wieder RICHTIG kalt, Minusgrade. Es hat die ganze Zeit geschneit und gestürmt. 

Gut, was soll ich machen, ich kann das Wetter (und alles andere) nicht ändern, außerdem betont eine Freundin von mir immer, dass sie nicht so "wetterfixiert" ist, und das hört sich gut an, das will ich auch nicht sein. Also habe ich mich mit dem Wetter abgefunden. Und lauter tolle Muße-Sachen gemacht. (Naja, ich übertreibe jetzt maßlos, sooo toll waren sie auch wieder nicht. Aber immerhin mußig.)

Ach, und wegen Urlaub und Newsletter: Einige von euch werden jetzt sicher sagen, Nina, Du betonst doch immer so sehr, dass Du im Urlaub nicht arbeitest, denn wenn man im Urlaub arbeitet, hat man aufgegeben, ist Teil des unsäglichen Burnout-Systems geworden, hat schlichtweg  sein eigenes Leben verloren... Ja, stimmt, das sage ich!
Und natürlich hatte ich geplant, dass ich diesen Newsletter schon in der Woche vor dem Urlaub schreibe und dann ganz entspannt nur einmal auf Abschicken klicke. Aber siehe da, letzte Woche hatte ich keine Muße für die Mußestunde. Gibt's sowas. Diese Woche dagegen habe ich Zeit und Muße, also lasse ich mich nicht von meinen eigenen Regeln einschränken, sondern: schreibe meinen Newsletter im Urlaub. Basta.

Nun aber zu den tollen Sachen.


Ich habe:
einen Lampenschirm repariert, neue Tuschefedern bestellt und für ihre Benutzung vorbereitet, Pfeife geraucht, Bücher aus der Bücherei ausgeliehen, mich bei einer Spanisch-App angemeldet, Schlagzeug gespielt und Nichtstun praktiziert.

1. Die Lampe.
Der Lampenschirm gehört nicht mir, sondern meinen "Schwiegerelten" (Eltern meines Freundes). Er ist wahrscheinlich 50 Jahre alt und aus Pergament, das mit Lederbändern verknüpft wurde. Die alten Lederbänder waren vertrocknet und gerissen, aber das Pergament ist wie neu. Also habe ich gesagt: Ach, easy, das kann ich reparieren. Ich habe 20 Meter Lederband bestellt, die vertrockneten Bänder abgeschnitten und die neuen wieder eingefädelt.
Das Ganze hat so acht Stunden gedauert. Acht Stunden! Glaubt man sowas! (Der Schirm ist sehr groß, so 50 mal 40 cm, ungefähr.)
Zuerst war das Ganze wunderbar, eine sehr meditative Angelegenheit, man muss nicht mitdenken, nichts überlegen, nur einfädeln, ausfädeln. Ich dachte mir: Wie toll, das wäre doch der perfekte Job! Einfach als Lampenschirm-Knüpferin arbeiten, oder als Korbflechterin oder so... Dann aber wurde mir: langweilig. Zuerst habe ich nebenher Musik gehört, dann musste ein Podacst her, dann ein Film. Fazit: Einmal die Woche oder so kann man sowas schon machen, aber jeden Tag wäre das nichts für mich. Vielleicht habe ich schon so eine Krankheit, so eine Art Aufmerksamkeitssucht? Dass immer was passieren muss um mich herum? Hm. Aber beim Bücherlesen wird mir ja auch nicht langweilig... Irgendwie will sich mein Gehirn offenbar beschäftigen. Wasweißich. Aber so ist es eben.

2. Die Tuschefedern.
Ich habe neue Tuschefedern bestellt, weil meine Lieblingstuschefeder gebrochen ist. (Argh). Ich habe sie noch nicht ausprobiert, aber schon "eingeweiht": Dazu soll man sie in eine Kartoffel stecken. Wegen der Stärke oder so, wasweißich, auf jeden Fall soll dann die Tusche besser fließen. Wie gesgat, keine Ahnung, ob das gewirkt hat oder ob die was taugen - aber so lustige Tipps probiere ich doch zu  gerne aus.

3. Pfeife geraucht.
Mein Opi hat manchmal Pfeife geraucht, und diesen Geruch mochte ich immer sehr gerne. Also habe ich eine Pfeife von meinem Schwiegervater ausgeliehen und ausprobiert. Der Tabak war sehr trocken (klar, paar Jahrzehnte alt), aber der Geschmack war echt gut. Außerdem ist es lustig, so mit einer Pfeife im Mund dazusitzen und zu paffen. Man kommt sich vor wie ein Pirat oder ein alter Seemann. Das gefällt mir. Ich habe mir jetzt also neuen Pfeifentabak gekauft und werde das nochmal ausprobieren.
(Ja, ich weiß, Rauchen ist extrem ungesund! Glücklicherweise gehöre ich zu den beneidenswerten Leuten, die offenbar kein Suchtgen haben und einfach eine rauchen könne und dann wieder tage-, wochen- oder monatelang nicht. Also handhabe ich das so.)

4. Die Bücher.
Ich war endlich mal wieder in meiner Bücherei (wir haben eine kleine Gemeindebücherei in der Nähe) und habe mir nur leichtes Zeug ausgeliehen. Zur Unterhaltung, siehe Foto. Habe mit Kate Morton angefangen. Superpackend. Und entspannend. Wunderbar.

5. Die Spanisch-App.
Ich habe Spanische Literaturwissenschaft studiert, und damals also Spanisch gelernt. Richtig gut eigentlich: Meine Magisterabschlussprüfung habe ich mündlich auf Spanisch halten müssen. (Thema: moderne spanische Lyrik. Da staunt ihr! Ich auch.)
Leider habe ich es wieder vergessen. Also erstens die Lyrik und zweitens das Spanisch. Ich habe es einfach nicht mehr benutzt seitdem. Das ist schade, das will ich schon seit langem ändern, und so war ich die ganze Zeit auf der Suche nach einer guten App. Babbel oder so hilft mir nicht, weil das so strukturiert ist, dass Anfänger etwas lernen - ich aber habe das Wissen ja schon in mir, es muss nur reaktiviert werden. Also probiere ich gerade LingQ aus. Dort kann man einfach Geschichten lesen und anhören, dazu die Wörter anklicken, und wenn man welche nicht kennt, kann man die danach üben. Ohne große Erklärungen oder Grammatik-Lektionen. Ich kann mir zwar schwer vorstellen, dass man so eine neue Sprache lernen kann - aber für mich zur Wiederholung und Reaktivierung ist das super. Mal sehen, ob ich dran bleibe. 

6. Das Schlagzeug.
Mein Freund ist Musiker, wir haben einen Proberaum im Keller, und dort steht natürlich auch ein Schlagzeug. Eines Abends hat er Gitarre gespielt, ich war auch unten (siehe die Pfeife, Nummer 3), und dann habe ich mich ans Schlagzeug gesetzt und gefragt, was man da machen muss. Dann habe ich Schlagzeug gespielt. Nur Bass Drum und Snare und bisschen Becken - aber es hat SO viel Spaß gemacht! Und ich muss sagen, Schlagzeugspielen ist wirklich schwer.  Bisher habe ich nur melodiöse Instrumente gespielt, und da ist der Rhythmus zwar schon auch wichtig, aber immer relativ - und beim Schlagzeug ist er das A und O! Ständig muss man aufpassen, dass man nicht zu schnell oder zu langsam wird. Und wenn man sich denkt, so, jetzt weiß mein rechtes Bein doch endlich, was es zu tun hat, und man mit den Gedanken ein wenig abschweift - dann vergisst das rechte Bein leider spontan wieder, was es zu tun hatte. ARGH!
Man muss wirklich konzentriert bleiben. Gleichzeitig kann man - beim passenden Lied - auch mal wirklich reinhauen. Sehr geil. Wirklich. 

7. Nichtstun.
Das habe ich auch versucht. Früher war ich darin auch echt mal gut: Einfach nur auf der Couch liegen und in die Luft starren. Seit der Pandemie kann ich es nicht mehr. Dadurch, dass ich schon die ganze Zeit das Gefühl habe, dass nichts passiert, dass ich nichts erlebe, möchte ich irgendwie keine Zeit fürs absolute Nichtstun vergeuden. Furchtbar, ich weiß. Ich hoffe, im Sommer wird das wieder besser. Denn wenn man in der Sonne liegt, hat man ja das Gefühl, man tut was: Sonne tanken.

So, das waren die tollen Muße-Dinge in meinem Urlaub!


Und nun noch eine Serien-Empfehlung: Fleabag.
Das ist wirklich die lustigste und beste Serie, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. Sie wurde geschrieben von der Hauptdarstellerin Phoebe Mary Waller-Bridge, und die ist einfach genial. Jetzt ist Fleabag in der ARD-Mediathek , und wer sie noch nicht gesehen hat, muss sie: anschauen! Frauen wie Männer gleichermaßen, übrigens.

Ich weiß noch, damals vor über einem Jahr habe ich die Serie gesehen, und eine Freundin und ich waren so begeistert, dass wir Karten gekauft haben fürs Kino, in dem das Fleabag-Theaterstück gezeigt werden sollte (ursprünglich war die Serie ein Theaterstück.)
Dann wurde der Kinoabend abgesagt. Wegen dem ersten Lockdown.
Irre. Kommt mir vor, als wäre das viele, viele Jahre her.

(Das ist sie: Fleabag.)


So, das war's wieder für heute.

Wie immer:  Wenn ihr Lob, Fragen, Kritik oder Anregungen habt, meldet euch.
Ich freue mich über alle eure E-Mails!

Und wenn ihr jemanden kennt, dem der Newsletter gefallen könnte, leitet ihn doch einfach weiter. (Und falls du ihn gerade zum ersten Mal siehst und er dir gefällt, dann kannst du ihn hier abonnieren.)

Also: Bis bald!