Mußestunde No. 7

Ideenschwund.

(Im Bild: Lauter Ideen, versteckt in Notizbüchern.)


Die letzten beiden Male bin ich ja etwas in die philosophische Ecke abgedriftet - deshalb soll es heute mal wieder etwas konkreter werden.

Es geht also um: Das Verschwinden von Ideen.
Also in echt! Das tatsächliche Verschwinden meiner Ideen.


Denn das passiert mir ständig. Jeden Tag, wahrscheinlich. Ich habe eine Idee, die finde ich ziemlich gut, denke mir: Stimmt, darüber solltest Du mal schreiben/das solltest Du mal malen, basteln, tun/genau so kannst Du den Artikel anfangen/dieses Thema müsstest Du mal unbedingt jemandem vorschlagen...
Und dann, ein paar Minuten oder Stunden später, ist die Idee weg.

Geht es euch auch so?

Nun sagen die Profis unter euch, klar, dieses Problem hatte ich früher auch mal, aber dann habe ich angefangen, mir Notizen zu machen, und nun geht mir wirklich keine gute Idee mehr verloren.

Jaaaaa, diese Idee hatte ich auch schon. Also greife ich hastig, wenn mich eine Idee trifft (auch so ein Thema, wo kommen sie eigentlich her - treffen sie von außen auf mich, und ich fange sie nur, oder kommen sie von innen aus mir heraus? Aber das ist ein anderes Thema für eine andere Mußestunde.), zu einem Zettel oder, noch besser, zu einem Notizbuch, und schreibe sie nieder.

Dann aber geschehen unterschiedliche Dinge.
1. Wo ist der Zettel?
2. Ah, da ist der Zettel. Aber was soll das heißen?
3. In welches Notizbuch habe ich das nochmal geschrieben?
4. Wo ist denn genau dieses Notizbuch, wo ich doch damals diese eine gute Idee hineingeschrieben habe...?

Tja.

Kann sein, dass das an meinem chaotischen Charakter liegt. (Wahrscheinlich.)
Kann aber auch sein, dass das Verschwinden einfach im Wesen der Ideen liegt.  (Unwahrscheinlich. Trotzdem eine interessante Theorie. Sage ich jetzt mal so, als Schutzbehauptung.)

Und so bin ich wirklich fasziniert von Menschen, die ihre Ideen offenbar unter Kontrolle haben. Zum Beispiel von Austin Kleon. Ich habe seinen Newsletter abonniert; und in seinem Blog erzählt er immer wieder von seinem Notizbuch-System. Jeden Tag schreibt oder malt oder klebt er was in sein Notizbuch. Er hat es überall dabei. Toll! Dann macht er noch so lustige Dinge, dass er das Notizbuch erst leer wiegt, und dann vollgeschrieben. Witzig! Und wenn es voll ist, schreibt er auf den Notizbuchrücken, von wann bis wann er es benutzt hat und stellt es in ein Regal. Puh, so organisiert, oder? Wahnsinn!

Nur: Neulich schrieb er, dass er leider nirgendwo notiert, was er in sein Notizbuch reinschreibt. Und so findet auch er seine Ideen nicht mehr wieder.
Irgendwie klar, oder? Aber auch lustig.
Die Konsequenz daraus ist, dass er nun eine Art Register erstellen will, wahrscheinlich auf dem Computer, um dann irgendwie alles wiederzufinden, was in seinen Notizbüchern steht.

Hm.

Zufälligerweise habe ich vor Kurzem einen Artikel gelesen, in der ein Mann erklärt hat, wie er alle 30 Minuten in sein Notizbuch schreibt, und zwar einfach das, was in den letzten 30 Minuten so passiert ist. (Ich vermute mal, da sind ganz viele Dinge dabei, die nicht in die Kattegorie "Ideen" fallen.) Er hat er dann auch jeden Abend alles in irgendeinem Exceltabellen-System verschlagwortet. (Verschlagwortet! Was für ein schreckliches Wort.) Leider kann ich mich nicht mehr so ganz genau an den Artikel erinnern, aber ich weiß noch, dass ich mir dachte: Hä? Und wann genau lebt er dann? Also erlebt er überhaupt noch was, oder ist er nur noch mit dem Niederschreiben von angeblich Erlebtem beschäftigt?

Also, ne. Für mich ist das nichts. Ich behalte dann doch lieber mein Chaos. Meine vielen Notizbücher und Zettel. Und ab und an freue ich mich eben, wenn ich in irgendein Notizbücher hineinblättere und mir denke: Ach, stimmt! Das war ja mal eine tolle Idee!

Hat ja auch was.


Zum Thema Notizbuch fällt mir gerade ein: In "Hard Land" von Benedict Wells (sensationelles Buch) sammelt eine Figur in einem Notizbuch Sätze von anderen Menschen, die sie irgendwie beeindruckt haben. Zitate also. Wunderschöne Idee. (Aber auch da muss man das Notizbuch immer dabei haben, fürchte ich...)


So, und nun Werbung in eigener Sache! (Hört sich das lustig oder dämlich an?)
Ich habe endlich mal wieder ein paar Artikel in meinen Etsy-Shop eingestellt, und ich werde auch tapfer weiter welche kreieren und hineinstellen. Also: Wenn ihr vielleicht ab und an dort vorbei schaut, findet ihr vielleicht etwas, was euch zusagt...
Zum Beispiel eine Karte voller Liebe.


Und wer noch was für den Artenschutz tun will, der kann dieses Wochenende: Insekten zählen!
Zumindest in Bayern. (Aber vielleicht gibt es in den restlichen Bundesländern ja ähnliche Aktionen.) Denn beim LBV läuft derzeit der "Insektensommer". Wenn man eine Stunde Zeit hat, sollte man in der also im Garten oder im Park herumkrabbeln und Insekten zählen. Ist eigentlich ganz einfach. Eine genaue Erklärung gibt es hier beim LBV.

Nun fragt ihr euch vielleicht: Warum sollte ich das tun? Nun, weil es wirklich wichtig ist. Seit ich eine Serie über Tierarten und Artenschützer schreibe, ist mir erst so wirklich bewusst geworden, wie viele Arten derzeit aussterben.

Spoiler: praktisch alle.

Und ja, auch wenn ich finde, die Politik muss die Gesetze ändern und wir Verbraucher müssen nicht alles selbst herausfinden und regeln und machen und tun, so denke ich doch, dass es in genau diesem Fall, dem Artensterben, sehr viel gibt, was man ganz einfach selbst tun kann. Jetzt und hier. Etwa die Wiese noch nicht mähen. Heimische Blumen pflanzen. Wasser bereitstellen. Totholz auf einen Haufen werfen und liegen lassen.
Oder eben: Insekten zählen. Damit die Naturschutzverbände Zahlen bekommen, mit denen sie arbeiten und vor allem argumentieren können.   

Ist doch eine gute Sache, oder?

Dieses Jahr geht es beim Zählen auch darum, den Marienkäfer zu finden, und zu schauen, ob es noch ein paar heimische gibt oder ob der Asiatische schon alle vertrieben hat. (Den Asiatischen haben übrigens auch wir Menschen in Europa eingeführt.)

Also wollte ich euch nun noch ein nettes Marienkäfer-GIF mitschicken. Doch als ich nach "Ladybird" gesucht habe, bin ich nur aus Szenen aus dem Film "Lady Bird" gestoßen. Kennt ihr den schon? Nein? Ein wundervoller Film! So Coming of Age. Unbedingt anschauen.

(Und dann: Marienkäfer zählen.)

So, das war's wieder für heute.
Wie immer:  Wenn ihr Lob, Fragen, Kritik oder Anregungen habt, meldet euch!

Oooooder, falls Dir mein Newsletter sehr gut gefallen hat, oder Du heute ganz besonders guter Laune oder gar Deine Spendierhosen anhast, würde ich mich sehr freuen, wenn Du ein wenig Kleingeld in meine Kaffeekasse wirfst. (Denn: Wenn ich keine Gedanken mehr darauf verschwenden muss, woher ich das Geld für meinen morgendlichen Kaffee nehme, habe ich mehr Energie und mehr Zeit für diesen Newsletter.)

Natürlich geht sowas heutzutage - tadaaa - digital. Einfach auf diese Tasse klicken:

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Also dann: Vielen Dank fürs Lesen, Unterstützen und Weitersagen.
Und bis bald!