Mußestunde No. 8

Geld und Arbeit.


Heute geht es um: Geld und Arbeit.
Und wie diese beiden Dinge miteinander verbunden sind.


In der vergangenen Woche habe ich mir ein wenig Gedanken gemacht über Arbeit und Geld. Denn in meinem Leben sind die Arbeit, also meine Aufträge, und das Geld, das ich dafür verdiene, direkt miteinander verbunden: Wenn ich einen Auftrag erfüllt habe, bekomme ich Geld dafür. Und ich verhandele auch darüber, wie viel Geld dafür bekomme. (Klar, manchmal gibt es mehr Verhandlungsspielraum, manchmal weniger – und überhaupt bin ich bei dem Thema Honorarverhandlung noch nicht die Beste, aber ich bemühe mich. Dazu ein ander Mal.)

Ich habe festgestellt: Ich finde diese direkte Verbindung wunderbar.

Denn als ich noch angestellt war, war die Verbindung zwischen Arbeit und Geld irgendwie entkoppelt. Klar wusste ich, dass ich in die Arbeit gehe, damit ich jeden Monat Geld überwiesen bekomme. Aber das lief so im Hintergrund ab, irgendwo auf dem fernen Konto, ohne mein Mitreden. Jeden Monat kam das Gehalt, dann wurde ganz viel weiter überwiesen, Miete, Strom, Versicherung, und dann blieb ein Betrag auf dem Konto, über den ich selbst verfügen konnte. Der war in jedem Monat in etwa gleich. Vollkommen unabhängig davon, ob ich viel gearbeitet hatte oder wenig, ob ich tolle Geschichten geschrieben habe oder schlechte, lange oder kurze, interessante oder langweilige.

Jetzt kann man sagen: Das ist doch toll! Dann hat man beständig denselben Betrag, egal, ob es einem gerade schlecht geht oder nicht, ob man etwas „leistet“ oder nicht.

Klar, theoretisch. Aber so ist es doch in unserer Gesellschaft eigentich nicht mehr, oder? Mittlerweile ist es so, dass die Leistung per se etwas ist, womit sich alle Menschen schmücken wollen. Denn es gibt nicht nur die superreichen Vorstandsvorsitzenden, die viel arbeiten und noch viel mehr verdienen. Es gibt auch sehr viele ganz normale Menschen, die eine ganz durchschnittliche Arbeit haben, ganz durchschnittlich viel Geld verdienen und trotzdem sehr stolz darauf sind viel zu arbeiten – auch wenn sie nicht extra viel dafür verdienen… Stolz darauf sind, dass sie wegen der Arbeit kaum noch Zeit für andere Dinge haben. Seltsam, oder?

Aber ich schweife ab. Mir geht es hier um etwas anderes, mir geht es darum, dass in meinem Angestellten-Dasein die Arbeit vom Geld entkoppelt war. Wenn ich gute Arbeit geliefert habe, dann: Weil ich Lust hatte, eine richtig gute Geschichte zu schreiben, oder weil ich meinen Kollegen helfen wollte, oder weil ich wusste, je effizienter ich arbeite, desto schneller komme ich wieder heim.

In Wirklichkeit aber war es eher so: Mein Montag bis Freitag-Leben war besetzt vond er Arbeit. Ich wusste, ich muss dahin, und dann darf ich irgendwann wieder heim, aber das, was ich da tue, ist nicht mein Leben, sondern muss halt sein – warum auch immer.

Nie dachte ich mir: Juhu, jetzt fährst Du in die Arbeit, um das Geld zu verdienen, das Du für die Miete brauchst! Niemals dachte ich mir: Du sitzt jetzt hier und arbeitest, weil Du heute damit so und so viel Geld verdienst. Ich kann es euch gar nicht sagen, wie viel ich am Tag oder gar in der Stunde verdient habe, weil ich mir das tatsächlich nie ausgerechnet habe. Unglaublich, eigentlich.

Jetzt weiß ich, wann ich Geld verdiene. Und wie viel Geld ich dafür verdiene. Ich sage mir vei manchen Aufträgen: Juhu, jetzt setzt Du Dich dahin, und verdienst Geld mit Schreiben! (Finde ich immer noch faszinierend.) Das hat gar ncihts damit zu tun, ob ich den Auftrag mag oder nicht – ehrlich gesagt versuche ich hauptsächlich, Aufträge anzunehemn, die mir Spaß machen – das denke ich mir gerne! Ich mag das Gefühl für meine Arbeit bezahlt zu werden. Ich mag auch Lob und Freude und Anerkennung, klar.

Aber ich weiß erst durch meine Selbstständigkeit, dass meine Arbeit einen Wert hat. Dass mir andere Leute Geld dafür bezahlen, dass ich Geschichten schreibe. Dass meine Geschichten also etwas wert sind.

Wirklich: Faszinierend ist das.
Und richtig schön.

In einer idealen Welt wäre das natürlich alles ganz anders, da würde ich in einer wunderbaren Dorfgemeinschaft leben, und die anderen würde mich dafür wertschätzen und bewundern, dass ich Geschichten schreibe und zeichne; und dafür würde sie mir Essen schenken und Feuerholz und Kleidung. (Wobei, vielleicht würde ich das Feuerholz selber schlagen. Und Gemüse selbst ziehen und ein paar Hühner halten. Aber die Kleidung, die bräuchte ich von anderen.)


Ist euch zu antikapitalistisch? Mist, dann ist der Filmtipp sicher nichts für euch: Captain Fantastic. Ein Aussteiger-Film, mit einer entzückenden und gleichzeitig freakigen Hippie-Familie, samt dem Patriarch Viggo Mortensen (ja, der Aragorn aus Herr der Ringe).
Echt guter Schauspieler, echt guter Film, man ist ständig hin- und hergerissen ob man das jetzt alles kacke findet oder gut. Ich war es zumindest.

Auf jeden Fall gibt es den Film dieses Wochenende
noch in der Arte-Mediathek zu sehen!

(Denn ich weiß ja nicht, wie es bei Euch gerade so aussieht, aber bei uns hat sich der Sommer diese Woche eine kleine Gewitterpause genehmigt. Oder besser gesagt eine richtig große. Also perfekt zum Filmschauen.)

So, das war's wieder für heute.

Wie immer:  Wenn ihr Lob, Fragen, Kritik oder Anregungen habt, meldet euch!

Oooooder, falls Dir mein Newsletter sehr gut gefallen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn Du ein wenig Kleingeld in meine Kaffeekasse wirfst.
Einfach auf diese Tasse klicken:

Oder, wie Du mich noch unterstützen kannst:
Leite die Mußestunde weiter an jemandem, dem sie gefallen könnte!
(Falls Du der-/diejenige bist und sie nun abonnieren willst, dann geht das hier.)

Also dann: Vielen Dank fürs Lesen, Unterstützen und Weitersagen.
Und bis bald!