Mußestunde No. 9

Gedanken, Gedanken, keine Gedanken.


Heute geht es um viele Gedanken, um gar keine Gedanken,
und – sorry - ums Meditieren.
(Aber ich verspreche euch hoch und heilig: Kein abgefahrenes Eso-Zeug!)


Erinnert ihr euch noch an diesen Mann, der alle 30 Minuten aufschreibt, was gerade in seinem Leben passiert ist? Den hatte ich in einer vergangenen Mußestunde mal erwähnt (Mußestunde No.7, Ideenschwund, falls es jemanden interessiert), und der hat mich echt fasziniert. Also abgestoßen und fasziniert gleichzeitig - versteht ihr, was ich meine? Denn, mal abgesehen davon, dass er echt eine Art buchhalterischen Zwang hat, muss er ja vermutlich alles, was er tut, zweimal denken. Einmal live, und dann nochmal im Rückblick. Ist das gut oder schlecht? Ich finde: schlecht. Das muss doch anstrengend sein. Ich bin ehrlich gesagt sowieso schon manchmal genervt davon, dass ich zu viel denke, die ganze Zeit über irgendwas, nie hört das auf…

Womit wir, tja, beim eigentlichen Thema wären: beim Meditieren.

Das ist jetzt echt ein heikles Thema, denn ich würde niemals einfach so sagen, dass ich meditiere. Es also als Hobby aufzählen. „Hallo, ich bin die Nina, ich schreibe, ich zeichne gerne und ich meditiere in meiner Freizeit.“ Argh! So will ich mich einfach nicht sehen. Also behalte ich dieses Thema für gewöhnlich für mich. (Bisher. Nun, da ich es hier erzähle, gehe ich damit offenbar an die Öffentlichkeit.)

Dabei haben das Meditieren und ich haben eine lange gemeinsame Geschichte. Es begann in der Schule, am Gymnasium. Ich bin evangelisch, und im tiefsten Bayern war das damals etwas extrem Abgefahrenes. Im meinem Jahrgang mit vier Klassen gab es nur so fünf bis sieben Leute, die evangelisch waren, also wurden wir zusammengeworfen und unter die Fittiche des (einzigen) evangelischen Pfarrers der Stadt geschoben. Der war crazy. Aber ich schweife ab, er ging in Pension, dann kam eine Pfarrerin. Jung, engagiert, und vor allem: entspannt.
Und mit ihr haben wir einmal die Woche meditiert.

Ich glaube, wir haben das damals niemandem erzählt. Wir waren eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft, die wirklich nur im Religionsunterricht miteinander Zeit verbracht hat; sonst gingen wir alle getrennte Wege. Aber dieser Unterricht hat uns zu so einer Art Geheimclub gemacht, dort haben wir ganz offen über alles Mögliche diskutiert und philosophiert.
Und eben auch: meditiert. Was soll ich sagen. Es hat uns gefallen. Es hat mir gefallen.

Trotzdem, zu Hause hätte ich das niemals gemacht. Damals. Dann wurde ich älter und habe ab und an einen Yogakurs besucht, eigentlich wegen der Beweglichkeit. Aber irgendwie wird dort immer auch meditiert. War auch nett. Dann hab ich Yoga with Adriene entdeckt und quasi mit ihr Yoga gemacht. Sie ist ein großer Fan vom Meditieren, also war ich weiter dabei. Und dann irgendwann habe ich Meditations-Videos auf Youtube entdeckt, erst ganz kurze, dann etwas längere. Mittlerweile meditiere ich also ganz freiwillig. Ab und an. Nicht jeden Tag, aber schon immer wieder. Gut, ich gebe es also zu: „Mein Name ist Nina und ich bin Meditateurin.“
So, dann ist es jetzt also raus.

Somit kann ich also zum wichtigsten Punkt kommen: Warum es Spaß macht, das Meditieren. Und das macht es. Sonst würde ich es nicht tun.

Es macht Spaß, weil man aufhört zu denken. Ganz selten, ganz kurz, aber: Manchmal ist das Denken einfach weg. Einfach so! Dann sitzt man nur da und tut nichts. Echt nichts. Man kann sich das vermutlich leider kaum vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat.
Aber ich versuchs mal zu beschreiben.

Ich brauche immer eine Stimme, eine Anleitung. Alleine in eine Kerzenflamme starren ist nicht meins. Ich habe also (mittlerweile, kann ich nur empfehlen!) Kopfhörer auf und sitze auf der Couch. Dann starte ich ein Video oder eine App. Wichtig ist mir dabei vor allem die Stimme. Dann sagt also eine Dame, was ich zu tun habe. Wie ich atmen soll, was ich mir vorstellen soll.
Also höre ich zu. Und dann…
Denke ich: „Ach, ich kann ja eine Mußestunde übers Meditieren schreiben! Ha, genial!“
Dann denke ich: „Nina, Du sollst doch nicht denken. Ts.“
Dann höre ich weiter zu.
Dann denke ich: „Das muss ich dann erklären, wie da immer Gedanken aufploppen!“
Dann: „Nina, Du sollst doch nicht denken!“
Dann höre ich weiter zu.
Dann denke ich: „Am Anfang muss ich aber was schreiben, dass es nicht esoterisch wird.“
Dann: „Nina! Du sollst doch nicht denken.“
Dann höre ich weiter zu.
Dann denke ich: „Ach, dann könnte ich auch vom Religionsunterricht erzählen...“
Dann: „Ninaaaa. Du sollst doch nicht denken.“
Dann höre ich weiter zu.

(Das waren jetzt circa 27 Sekunden. Die Meditationen, die ich mache, dauern ungefähr zehn Minuten, also erspare ich euch jetzt den größten Teil. Wir spulen also vorwärts und kommen zum eigentlichen Hauptteil:)

Dann höre ich weiter zu.
Dann sitze ich da. Und denke nichts.
Ich bin einfach so da, da ist kein Gedanke, und da ist kein Gefühl; naja, vielleicht so eine innere Ruhe oder Zufriedenheit, alles ist ganz entspannt, es passiert gar nichts, gar nichts, gar nichts, und dann…
Denke ich: „Ha! Jetzt war’s gerade wieder da! Lustig!“
Das war’s dann. Dann denke ich also wieder.

Aber diese kurzen Momente des Nichts - keine Ahnung, wie lang die wohl sind – die sind echt toll. Manchmal hatte ich dabei auch schon so eine Art ergreifendes Gefühl. So ein Gefühl, dass man zum Universum dazu gehört, ähnlich dem, das einen beim Starren in den Nachthimmel manchmal befällt - davon hatte ich ja schon mal geschrieben. Nur noch viel beruhigender. Irgendwie.
Tja, und für diese kurzen Gefühle des absoluten Nichts, dafür ist es das wert, das Meditieren.

Echt jetzt!


So, jetzt seid ihr natürlich alle ganz wild aufs Meditieren und wollt unbedingt auch damit anfangen und braucht Tipps. (Oder ihr meditiert schon längst und lächelt ein wenig über meine Laien-Erklärungen. Auch schön.)  Ich meditiere nur mit englischen Stimmen,  die mag ich lieber, keine Ahnung warum. Dafür kann ich die App „Insight Timer“ empfehlen, da gibt es kostenlose Meditationen. Am besten anfangen mit „Learn how to meditate“. Supercoole Stimme.


Aber ich habe natürlich auch noch was für diejenigen von euch, die nur wild den Kopf schütteln - denn ihr seid logischerweise alle Fußballfans! (Haha, kleiner Vorurteils-Scherz.)
Nun: Ich jedenfalls bin Fußball-Fan. Früher mehr, heute weniger, das hängt mit der ganzem Geld und der Korruption zusammen, aber die Turniere fesseln mich immer noch. Natürlich reden wir jetzt nicht über den Auftritt und Abgang der deutschen Fußballmannschaft, ach was, Schnee von gestern. Wir denken nur an das Finale am Sonntag.
Italien gegen England. Ich gönne es beiden Mannschaften. Ich weiß also noch nicht, für wen ich sein soll. (Vermutlich für die Engländer.) Aber falls doch (wahrscheinlich) Italien siegen sollte, bekommen wir zumindest wieder ein Striptease zu sehen! Also untenrum. Denn die italienischen Spieler verschenken nach dem Sieg nicht ihre Trikots, sondern ihre Hosen. An die Fans. Whatthefuck - sagt ihr jetzt? Ja. Sag ich auch. Wer zum Teufel möchte eine versiffte Hose zu Hause hängen haben?

Aber: "Für den, ders mog, iss' hechste!" Sagt schon der Bayer.
(Übersetzung: "Für denjenigen, dem es gefällt, ist es offenbar das Allergrößte.")
Wir anderen wundern uns - und begutachten die seltsamen Unterhosen, die der italienische Fußballspieler so trägt. Und lachen ein wenig über die Verlegenheit, mit der er an ebendieser Unterhose dann herumzupft.

So, das war's wieder für heute.

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